11-07-2016

 

Kommentar - Scheitern Fintechs am Thema Skalierbarkeit?

 

Skalierbarkeit. Skalierbarkeit ist für Startups von immanent wichtiger Bedeutung und eines der wichtigsten Schlagwörter, wenn junge Unternehmen ihren Business Plan der Öffentlichkeit und vor allem Investoren erläutern sollen. Selbst die Juroren in Startup-Castingshows stellen sich die Frage - ja, skaliert das denn überhaupt?! - und machen letzten Endes ihre Investition häufig davon abhängig, ob Gründer die Frage schlüssig mit ja beantworten können.

 

Im Wesentlichen dreht sich Skalierbarkeit um die Frage, ob einem Geschäftsmodell grundsätzlich ein entsprechender Markt und potentielle Nachfrage gegenübersteht und, ebenso bedeutend, dass sich der Business Case zügig und möglichst standardisiert auf eine kritische Masse ausrollen lässt. Das macht auch Sinn - der Versandhändler Amazon oder die deutsche Mode-Plattform Zalando sind Musterbeispiele dafür, wie sich ein Geschäftsmodell durch kluge Geschäftsentwicklung und zielgerichtete Marketingmaßnahmen schnell bei einer großen Schar potentieller Kunden etablieren kann. Häufig werden große Anfangsverluste in Kauf genommen, um schnell die Bekanntheit zu steigern und einen großen Kundenstamm aufzubauen.

 

In der Regel verfolgt das Skalieren eines Geschäfts jedoch keinen reinen Selbstzweck. Vielmehr möchte man sich vom Wettbewerb abgrenzen, möglichst eine führende Marktposition im jeweiligen Segment aufbauen, um Follower auf Distanz zu halten und, das Wichtigste, später auf dieser Marktstellung heraus den Schalter auf Profitabilität zu stellen.

 

Auch für Fintech Startups ist es von überragender Bedeutung ein gut skalierbares Geschäftsmodell zu haben und zügig einen großen Kundenstamm aufzubauen. Egal ob Mobile Payment, Robo Advisor oder Crowdfunding - keines dieser Geschäftsmodelle ist im Kern wirklich einzigartig und entsprechend viele Konkurrenten tummeln sich jeweils im Markt. 

 

Viele Fintech Unternehmen sind unter dem Credo angetreten traditionelle Bank- und Finanzgeschäfte, wie den Zahlungsverkehr oder die Geldanlage einfacher, schneller und besser zu machen. Dies funktioniert auf den ersten Blick häufig sehr gut - einfache Anmeldung, flottes Design, nur wenige Klicks bis zum gewünschten Ergebnis und natürlich alles jederzeit und mobil.

 

 

 

 

Im klassischen Bankgeschäft gibt es die vielbeachtete Kennzahl der Cost-Income-Ratio. Sie gibt an, wieviel Geld eine Bank aufwenden muss, um einen Euro Ertag zu erzielen. Gute Banken liegen zwischen 60 und 70 Prozent, andere aber auch regelmäßig deutlich darüber. Je mehr Kunden ein Fintech akquirieren kann, desto deutlicher wird, dass man vom klassischen Bank- und Finanzgeschäft gar nicht so weit entfernt ist, wie man sich vielleicht zunächst eingeredet hat (oder die kühle Bankbetriebslehre einfach nicht für voll nehmen wollte). Auch Fintechs müssen sich an ihrer Cost-Income-Ratio und anderen Kennzahlen messen lassen und müssen zunehmend feststellen, dass ihr ursprüngliches Geschäftsmodell ins Hinken kommt, insbesondere wenn das Geschäft schlagartig "skaliert" und viele Kunden gleichzeitig die eigenen Angebote ausgiebig nutzen. 

 

Ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit, bei dem die Kostenseite scheinbar aus dem Ruder geraten war, nachdem das Geschäft zuvor stark beworben wurde und entsprechend gut skalierte, ist das Fintech Number26. Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass das Unternehmen offenbar zahlreichen Kunden einfach so gekündigt hatte. Nachdem der Aufschrei in den Medien groß war, musste man kurz darauf seitens des Unternehmens zerknirscht zugeben, dass viele Kunden rege Bargeld abgehoben hatten, was für Number26 aufgrund fehlender eigener Banklizenz und der Nutzung eines Drittanbieters regelmäßig zu (zu) hohen Kosten führte. Bei einem vergleichbar kleinen Kundenstamm war dies scheinbar noch zu handhaben, doch im Zuge der schnell und stark gestiegenen Nutzerzahlen hatte das Unternehmen bis dahin scheinbar keine brauchbare Antwort darauf parat, wie man die Kosten im Griff behalten konnte. Jüngsten Meldungen zufolge hat das Fintech Unternehmen mittlerweile mit Grenzen bezüglich der Transaktionsanzahl reagiert. Es bleibt abzuwarten, wieviele Kunden bereit sein werden mit diesen Beschränkungen zu leben. Und plötzlich war man gar nicht mehr so weit entfernt von den Probleme, vor denen auch traditionelle Banken stehen - wütende Kunden und der Gedanke an Einschränkungen, Regeln und Gebühren in der Zukunft...

 

Letztlich werden sich viele Fintech Startups mit der Frage beschäftigen müssen, wie sie ihr Geschäftsmodell auch beim raschen "Skalieren" auf ein betriebswirtschatlich solides Fundament stellen können. Im besten Fall sollte die Antwort schon feststehen bevor das eigentliche Skalieren überhaupt beginnt.

 

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© Sascha Günnel

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